Bernd Köhler - Templin




Sein Andenken bewahren
Tatort Templin
Foto: Opferperspektive

Als erste Reaktion auf den brutalen Mord an Bernd Köhler am 21.Juli 2008 und die Welle der rechten Angriffe, die im gleichen Jahr in der uckermärkische Kleinstadt stattfanden, veranstalten die Templiner Kirchengemeinden Ende Juli 2008 eine ökumenische Andacht gegen Gewalt. „Wir wollen die Menschen wachrütteln“, so Pfarrer Schein. [1]

Am 23. August 2008, nur einen knappen Monat später, findet unter dem Motto „Gesicht zeigen gegen Gewalt“ eine Gedenk- und Benefizveranstaltung für den Getöteten und alle anderen Opfer rechter Gewalt in Templin statt. Initiiert und maßgeblich organisiert wird die Veranstaltung von Jörg Krüger, einem nahen Angehörigen des Getöteten. Nach anfänglichem Zögern schließen sich auch die Stadtverordneten und Bürgermeister Schoeneich (parteilos) dem Aufruf zur Veranstaltung an. [2] Ursprünglich hatte Jörg Krüger bereits für Anfang August ein Solidaritätskonzert für die Familie seines getöteten Onkels geplant. Dagegen hatte sich der Bürgermeister ausgesprochen, sodass die Veranstaltung wieder abgesagt wird. [3] Nachdem die Reaktion des Bürgermeisters große Proteste hervorruft, lenkt er ein. An der Gedenkveranstaltung am 23.August nehmen rund 350 Menschen teil. In verschiedenen Redebeiträgen wird deutlich, dass Templin ein massives Problem mit Neonazis hat, was bisher von den Stadtoberen nicht wahrgenommen wurde. Bei alternativen Jugendlichen geht die Angst um. So betont David Till (16) in seiner Rede "Wir wollen nicht hinnehmen, dass irgendwer bestimmt, wer nachts durch Templin gehen darf". Nur wenige Tage nach dem Mord war sein Kumpel von Rechten zusamengeschlagen worden. [4]

Als Antwort auf den Mord gründen Jugendliche die Templiner Jugendinitiative und organisieren am 27.09.2008 auf dem Marktplatz der Stadt ein Demokratiefest unter dem Motto:„Demokratie stärken, Rechtsextremismus abwehren!“ Daran nahmen mehrere hundert Menschen teil. Das Demokratiefest wird ein Jahr später noch einmal durchgeführt. [5]

Drei Jahre nach dem Mord erinnert die Stadt Templin zum ersten Mal offiziell an die Ermordung von Bernd Köhler. Der erst seit 2010 amtierende Bürgermeister lädt dazu sein. Gemeinsam mit VertreterInnen der Stadt und Familienangehörigen von Bernd Köhler legt er am Grab Blumen nieder und erinnert an den schrecklichen Mord: "Wenn so eine menschenverachtende Tat in einer Kleinstadt geschieht, dann darf man die nicht vergessen!" [6] In den folgenden beiden Jahren finden anlässlich des Todestages, ebenfalls Gedenkfeiern in sehr kleinem Kreis am Grab von Bernd Köhler statt, zu denen der Bürgermeister einlädt. Die Templiner Bevölkerung beteiligt sich nicht an den Gedenkveranstaltungen. Einen offiziellen Gedenkort gibt es für Bernd Köhler nicht. [7]

[1] Spiegel, 25.07.2008, Mord von Templin: Neonazis wollten Leiche verbrennen.
[2] Gemeinsame Presseerklärung des Bürgermeisters und der Stadtverordnetenversammlung Templin vom 14.08.2008
[3] PNN, 25.08.2008: Neue Töne gegen Rechtsextremisten. Mit einem Konzert für Neonazi-Opfer versuchte Templin seinen angeschlagenen Ruf aufzubessern.
[4] Nordkurier, 24.08.2008: Templiner zeigen gemeinsam Gesicht gegen rechte Gewalt
[5] Inforiot, 29.07.2009: Zweites Demokratiefest in Templin.
[6] Gegenrede, 26.07.2011: Drei Jahre nach dem Mord: Gedenken an Bernd Köhler.
[7] Gegenrede, 23.07.2013: Templin erinnert an die Ermordung Bernd Köhlers.