Ingo Ludwig

Die Journalistin Manja Präkels beschreibt in einem Artikel für die Wochenzeitung Jungle World den Tod von Ingo Ludwig in Gransee. Dabei griffen mehr als ein Dutzend rechte Skinheads am Abend des 05.01.1992 Besucher einer Diskothek im Granseer Ortsteil Klein-Mutz an. Laut einer Polizeimeldung wurde der 18jährige Ingo Ludwig dabei so schwer im Gesicht, am Hals und am Körper verletzt, dass der gerufene Arzt nur noch den Tod feststellen konnte. „Als Ingo L. am Boden lag, versetzte Oliver Z. ihm mehrere Fußtritte. Er trug sogenannte ‚Docs’, Schuhe mit Eisenspitzen.“1
Zwei Jahre später schreibt der Brandenburger Verfassungsschutz in einer Stellungnahme zur Beantwortung einer Anfrage der Bundestagsfraktion der Grünen, dass Ingo Ludwig betrunken eine Treppe hinunter gestürzt sei. „Er wurde von mehreren Jugendlichen, die der ‚rechten’ Szene zuzurechnen sind, zu einem Kraftfahrzeug gebracht. Als er die Jugendlichen beschimpfte, schlugen diese auf ihn ein. Im Krankenhaus verstarb er dann. Der Tod ist eindeutig auf Verletzungen zurückzuführen, die er sich beim Treppensturz zugezogen hatte.“2 Manja Präkels die den Überfall der Skinheads miterlebt hatte, kommentiert die Bewertung des Verfassungsschutzes folgendermaßen: „Wenn man die drei flachen Stufen der Dorfkneipe vor Augen hat und die Pogromstimmung jener Jahre in den Knochen, zerfällt die Geschichte von der hilfsbereiten Horde Skins.3

Obwohl sich offensichtlich selbst das LfV Brandenburg mit dem Fall beschäftigte konnte das Moses Mendelssohn Zentrum keinerlei Akten zu dem Fall sichern und sichten. Akten der Generalstaatsanwaltschaft sind fristgerecht vernichtet worden, ein Aktenzeichen ist unbekannt.4

Die Quelle

1 Manja Präkels, Gransee: Angst, Asylanten, Sicherheit, Jungle World v. 07.11.2013
2 Bundesregierung, Drucksache 12/7008, 09.03.1994
3 Manja Präkels, Gransee: Angst, Asylanten, Sicherheit, Jungle World v. 07.11.2013
4 Martin Risken, Ein Todesfall und viele Fragen, in: Märkische Oderzeitung v. 28.08.2015