Roland Masch

Von Ronald Masch wissen wir nur, dass der zur Tatzeit 29jährige Familienvater als Dachdecker arbeitete und in Dolgelin lebte.

DIE TAT

Die Nacht zum 01.06.2002 verbringt Ronald Masch in der Diskothek „Nightlife“ in Alt-Zeschdorf (Märkisch-Oderland). Gegen 5.30 Uhr sucht er, schon deutlich betrunken, vor der Disko nach einer Mitfahrgelegenheit für die Heimfahrt und spricht auch die spätere Tätergruppe an. Diese angesprochene beschließt, den ahnungslosen Masch in einem ihrer Autos mitzunehmen und unterwegs auszurauben. Bereits im Auto erhält er von Stephan Ku. mindestens eine Ohrfeige. Die Autofahrerin Sylvana M. lenkt den PKW verabredungsgemäß mehrere hundert Meter in einen abgelegenen Feldweg bei Neu Mahlisch. Stephan Ku. und Matthias Ru. zerren Masch aus dem Auto. Gemeinsam mit Axel Th. und Maik We. schlagen und treten sie auf Masch ein, unter anderem verletzen sie den wehrlosen Mann mit einem Axtstiel schwer am Kopf. Ronald Masch fleht die Täter an, „von ihm abzulassen, sie könnten sich alles nehmen, wenn sie ihn am Leben ließen.“1 Die jungen Männer setzen jedoch die Misshandlungen fort. Dann nehmen sie ihm die Geldbörse ab. Als sie das Portemonnaie durchsuchen, kann Masch fliehen. Beim Wegrennen dreht er sich um und ruft etwas. An den genauen Wortlaut kann sich im späteren Prozess niemand der Angeklagten erinnern. Vielleicht etwas wie „eure Gesichter habe ich mir gemerkt.“ Der 23jährige Matthias Ru. meint, „der darf nicht am Leben bleiben!“2 und rennt hinter dem Flüchtenden her. Als er Ronald Masch auf einem Rapsfeld einholt, sticht er ihm mit einem Messer dreimal in den Rücken. Dieser bricht daraufhin zusammen und klammert sich in Todesangst an dem Angreifer fest. Darüber wird dieser wütend und rammt dem schwer Verletzten über 30mal das Messer in Niere, Brustkorb und Hals. Als der 25jährige Stephan Ku. dazu kommt und Masch kaum noch atmend am Boden liegen sieht, sagt er zu Matthias Ru.: „Jetzt musst du es richtig machen, denn, wenn der aufsteht, sind wir geliefert!“3 Ru. schneidet Ronald Masch die Halsschlagader durch. Die anderen warten an den Autos auf die beiden. Als sie blutverschmiert aus dem Rapsfeld kommen, fährt die Gruppe nach Hause. Auf der Heimfahrt schwärmt Ru. gegenüber den anderen, dass es ihm Spaß gemacht hätte, einen Menschen zu töten und, „er betrachtet es als eine Art Höhepunkt seiner bisherigen kriminellen Karriere.“ An der Spree wäscht sich Matthias Ru. das Blut ab und sie verbrennen die blutverschmierte Kleidung. Die Zeugin Sylvana M. wird in den Folgetagen von Ru. und Ku. mit dem Tod bedroht, „da aufgrund ihres angegriffenen psychischen Zustandes die Gefahr des Verrats bestand.“4 Die Leiche von Ronald Masch wird erst sechs Wochen später bei der Rapsernte gefunden.5

Das Verfahren

Das Landgericht Frankfurt (Oder) verurteilt die Täter im April 2003 zu hohen Haftstrafen. Die beiden Haupttäter Matthias Ru. und Stefan Ku. werden wegen Mordes zu lebenslanger Haft bzw. 13 Jahren Haft verurteilt. Die Mittäter zwischen 19 und 26 Jahren verurteilt das Landgericht wegen Körperverletzung, versuchtem schweren Raub und Nichtanzeigen einer Straftat zu Strafen zwischen fünfeinhalb Jahren und eineinhalb Jahren. Der bullige Glatzkopf Matthias Ru. und Maik We., der als einer der Führungsfiguren der Fürstenwalder rechten Szene gilt,6 haben auf ihre Händen das Wort „Hass“ tätowiert – das Doppel-S in Runenschrift. Während der Verhandlung müssen sie die NS-Tätowierungen auf den Fingern abkleben. Der Vorsitzende Richter duldet im Gerichtssaal keine NS-Symbole.7 Die meisten Angeklagten machen im Gerichtsverfahren und in der Haft keinen Hehl aus ihrer extrem rechten Gesinnung.8 In den Haftanstalten besteht weiterhin Kontakt zu rechten Mithäftlingen, auch in anderen Gefängnissen. Bei Durchsuchungen der Zellen werden u.a. Zeichnungen von Adolf Hitler und Briefe mit rechtsradikalem Inhalt gefunden. Einige Täter werden von „Kameraden“ von draußen intensiv betreut.9

Die Tätergruppe gehört fast komplett zu einer Neonaziclique aus Fürstenwalde und Umgebung. Weitere Informationen über mögliche politische Tatmotive der Täter lagen bis zur Studie des Moses Mendelssohn Zentrums nicht vor. Nach Bewertung der neuen Informationen ist nicht davon auszugehen, dass der bestialische Mord an Ronald Masch politisch motiviert war, sondern als nichtpolitische Kriminalität der rechten Täter zu bewerten ist.

Die Quelle

1 Moses Mendelssohn Zentrum, Abschlussbericht des Forschungsprojektes „Überprüfung umstrittener Altfälle Todesopfer rechtsextremer und rassistischer Gewalt im Land Brandenburg seit 1990“, 2015, S. 164
2 Ebd. S. 165
3 Ebd.
4 Ebd.
5 Katrin Bischoff, Mehr als 30 Stiche in Lunge und Herz, in: Berliner Zeitung v. 12.2.2003
6 Jens Blankennagel, Skelett im Feld – Polizei klärte Mordfall auf, in: Berliner Zeitung v. 10.09.2002, http://www.berliner-zeitung.de/archiv/sechs-tatverdaechtige-sitzen-in-untersuchungshaft-skelett-im-feld---polizei-klaerte-mordfall-auf,10810590,10027170.html
7 Inforiot, 4.4.2003: Artikelsammlung zum Gerichtsurteil
8 Lebenslang für blutigen Mord nach der Disko , in: Tagesspiegel v. 4.4.2003
9 Moses Mendelssohn Zentrum, Abschlussbericht des Forschungsprojektes „Überprüfung umstrittener Altfälle Todesopfer rechtsextremer und rassistischer Gewalt im Land Brandenburg seit 1990“, 2015, S. 166