Emil Wendland - Neuruppin


Gedenken für Emil Wendland 2014

Wie in den Jahren zuvor versammelten sich am 1. Juli 2014 AntifaschistInnen und FreundInnen im Neuruppiner Rosengarten, um dem vor 22 Jahren von Neonazis ermordeten Emil Wendland zu gedenken. Emil Wendland schlief auf einer Parkbank, als ihn eine Gruppe Naziskinheads entdeckte und brutal misshandelte. Einer von ihnen erstach den ehemaligen Lehrer schließlich mit einem Jagdmesser. Bei Gericht gaben die Täter an, sie hätten „Assis klatschen“ wollen.

Der rechte Mord an Emil Wendland war lange Zeit in Vergessen geraten. Durch das Engagement einer Initiative von Jugendlichen des Jugendwohnprojekts „Mittendrin“ wurde eine Gedenktafel am Tatort geschaffen, an der sich am Gedenktag Wendlands ca. 70 Menschen einfanden. Der Bürgermeister der Stadt, die Linkspartei und lokale Antifa-AktivistInnen hielten Redebeiträge, um an das Opfer und die sozialdarwinistischen Motive des Neonazimordes zu erinnern. Im Anschluss wurden Blumen an der Gedenktafel niedergelegt.

Mit ihrem Gedenken waren die AntifaschistInnen allerdings nicht allein. 7 Neonazis waren einem Aufruf der NPD Neuruppin gefolgt, um ihrerseits eine Mahnwache für Emil Wendland abzuhalten. Die Neonazis versuchen, den Mord als Tat „subkultureller Perspektivlosigkeit“ umzudeuten. Auf einem auf der NPD-Kundgebung verteilten Flyer wurde Wendland als „Missbrauchsopfer im Kampf gegen Rechts“ bezeichnet. Diese ebenso plumpen wie unerträglichen Vereinnahmungsversuche durch die Neonazis bekam zumindest an diesem Tag kaum jemand mit. Die Nazis wurden von den Teilnehmer*innen der Gedenkveranstaltung umstellt und mit Musik beschallt, so dass sie weder zu hören noch zu sehen waren und das Verlesen eines Redebeitrags abbrechen mussten.

Der Mord an Emil Wendland ist nicht der einzige, den Neonazis für ihre Zwecke umzudeuten versuchen. Ähnliche Bestrebungen gab es 2010 in Greifswald. Dort legten die „Nationalen Sozialisten Greifswald“ einen Kranz am Gedenkstein für den ermordeten Obdachlosen Eckard Rütz nieder. Das Gedenken an Opfer rechter Gewalt und die klare Benennung der Motive der TäterInnen ist und bleibt also unbedingt notwendig, um der Verbreitung neonazistischer Propaganda entschlossen entgegen zu treten.



Nach 20 Jahren – Gedenken an Emil Wendland
Gedenken an Emil Wendland
Foto: AG Timur und sein Trupp

Über viele Jahre war das Schicksal von Emil Wendland in Neuruppin vergessen. Kaum einE BewohnerIn der Fontane-Stadt weiß, dass hier 1992 ein rechter Mord verübt wurde. Über das Opfer ist kaum etwas bekannt. Vor allem Jugendliche aus dem Neuruppiner JugendWohnProjekt „MittenDrin“ (JWP) fragten immer wieder nach: Wer war Emil Wendland und warum wurde er auf so brutale Art und Weise von Neonazis ermordet? 2012, anlässlich des 20. Todestages von Wendland fangen sie an zum Mord zu recherchieren. Unter dem Motto „Niemand ist vergessen“ führen sie eine Emil-Wendland-Kampagne durch, die sich mit den Hintergründen der Tat auseinandersetzt [1]. Wichtig ist der Initiative, das Schicksal von Wendland wieder ins Gedächtnis der Bevölkerung zu rufen. Eine Straßenumbenennung, um an Wendland zu erinnern, ist in der Stadtverwaltung nicht durchsetzbar, aber die Gedenkinitiative und die Stadt können sich darauf einigen, gemeinsam eine Gedenktafel am Tatort, dem Neuruppiner Rosengarten, aufzustellen und damit einen Gedenkort zu schaffen. Die Initiativgruppe wird von der Stadt beauftragt, einen Text für die Tafel zu entwerfen. Leider übernimmt die Stadtverwaltung den Text nicht in voller Länge. Die letzten beiden Sätze wurden ersatzlos gestrichen. Sie lauteten:

„Die Tatsache, dass Menschen auf der Straße leben müssen, während Häuser leer stehen, ist ein Beweis für die soziale Kälte dieser Gesellschaft. Es liegt an jeder und jedem von uns, für eine menschenwürdige Welt einzutreten.“

Die Initiativgruppe kritisiert die Streichung: „Damit wird auf der Gedenktafel nicht auf die Rahmenbedingungen eingegangen, die Morde an obdachlosen Menschen möglich machen.“ [5]

Gedenken an Emil Wendland
Foto: AG Timur und sein Trupp

Am 29. Juni 2012 wird die Gedenktafel von der Stadt offiziell enthüllt [2]. Zwei Tage später, am 20. Todestag von Emil Wendland, veranstalten die Mitglieder der Initiativgruppe eine Trauerkundgebung in Gedenken an den Ermordeten. Eine Woche nach der Einweihung der Gedenktafel organisierten sie eine Demonstration unter dem Motto „Gedenken an Emil Wendland und alle anderen Opfer rechter Gewalt“ durch Neuruppin. Trotz strömendem Regen nahmen ca. 70 meist jugendliche AntifaschistInnen teil. Die lokale Beteiligung ist jedoch sehr gering. [3]

Auch am 21. Todestag, dem 21. Juni 2013 wird der Tat gedacht. Bei einer Kundgebung am Gedenkort wurden Kränze und Blumensträuße für den Ermordeten niedergelegt und die Forderung nach einer offiziellen Anerkennung des ehemaligen Lehrers als Opfer rechter Gewalt erneuert. Einen Tag später wird der Gedenkort von Unbekannten verunstaltet und die Kränze zerstört. [4]

[1] MOZ 14.03.2012 – “Ein Gedenk-Clip”, http://jwp-mittendrin.de/blog/moz-14-03-2012-ein-gedenk-clip/
[2]Internetseite Fontanestadt Neurupin. 29.6.2012: Enthüllung der Emil Wendland-Gedenktafel, http://www.neuruppin.de/verwaltung-politik/veroeffentlichungen/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen-detail/article/29062012-enthuellung-der-emil-wendland-gedenktafel.html
[3] Mittendrin, 12.7.2012: Abschlussdemo und erste Bewertung, http://jwp-mittendrin.de/blog/abschlussdemo-und-erste-bewertung/
[4] MAZ, 4.7.2013: Unbekannte zerstören Gedenkkränze für Neonazi-Opfer, http://www.maz-online.de/Lokales/Ostprignitz-Ruppin/Neuruppin/Unbekannte-zerstoeren-Gedenkkraenze-fuer-Neonazi-Opfer
[5] Mittendrin, 12.7.2012: Abschlussdemo und erste Bewertung