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Neuruppin

Gedenken für Emil Wendland

Emil Wendland Gedenken Kranz auf Bank Nach der Tat wird das Schicksal von Emil Wendland über viele Jahre von der Neuruppiner Stadttgesellschaft ignoriert. Kaum jemand weiß, dass hier 1992 ein rechter Mord verübt wurde. Lediglich außerhalb der Fontantestadt wird bei Aktionen zum Gedenken an die Todesopfer rechter Gewalt auch an Emil Wendland erinnert. [1]

Fast zwanzig Jahre nach dem rechtsmotivierten Mord stellen sich Jugendliche aus dem Neuruppiner JugendWohnProjekt „MittenDrin“ (JWP) die Frage: Wer war Emil Wendland und warum wurde er auf so brutale Art und Weise von Neonazis ermordet? 2012, anlässlich des 20. Todestages fangen sie an, zum Mord zu recherchieren. Unter dem Motto „Niemand ist vergessen“ führen sie eine Kampagne durch, die sich mit den Hintergründen der Tat auseinandersetzt und Emil Wendland als Menschen sichbar machen möchte [2]. Wichtig ist der Initiative, das Schicksal von Herrn Wendland wieder ins Gedächtnis der Bevölkerung zu rufen. Eine Straßenumbenennung, um an ihn zu erinnern, ist in der Stadtverwaltung nicht durchsetzbar. Die Gedenkinitiative und die Stadt können sich aber darauf einigen, gemeinsam eine Gedenktafel am Tatort, dem Neuruppiner Rosengarten, aufzustellen. Die Initiative wird von der Stadt beauftragt, einen Text für die Tafel zu entwickeln. Ihr Entwurf lautet:

Am 01. Juli 1992 wurde an dieser Stelle Emil Wendland von mehreren
Neonazis brutal ermordet.

Emil Wendland, damals obdachlos, wurde Opfer einer Ideologie,
in der es keinen Platz für Menschen gibt,
die als vermeintliche Schmarotzer
angesehen und daher als „unwertes Leben“ wahrgenommen werden.

Obdachlose sind die zweitgrößte und am wenigsten anerkannte Opfergruppe von rechten Übergriffen.
Die Tatsache, dass Menschen auf der Straße leben müssen,
während Häuser leerstehen, ist ein Beweis für die soziale Kälte dieser Gesellschaft.
Es liegt an jeder und jedem von uns,
für eine menschenwürdige Welt einzutreten.

Niemand ist vergessen – 01. Juli 2012

Leider übernimmt die Stadtverwaltung den Text nicht in voller Länge. Die letzten beiden Sätze werden ersatzlos gestrichen. Die Initiative kritisiert die Streichung: „Damit wird auf der Gedenktafel nicht auf die Rahmenbedingungen eingegangen, die Morde an obdachlosen Menschen möglich machen.“ [3]

Am 29. Juni 2012 wird die Gedenktafel von der Stadt offiziell enthüllt. [4] In der Woche danach veranstaltet die Initiative aus dem JWP MittenDrin eine Kundgebung sowie eine Demonstration im Gedenken an Emil Wendland und andere Opfer rechter Gewalt. Trotz strömendem Regen nehmen ca. 70 meist jugendliche Antifaschist_innen teil. Die lokale Beteiligung ist jedoch gering. [5]

Auch im Folgejahr gibt es dank des JWP MittenDrin eine Kundgebung am Gedenkort, bei der Kränze und Blumensträuße für den Ermordeten niedergelegt werden. Einen Tag später verunstalten Unbekannte den Gedenkort und zerstören die Kränze. [6]

Die antifaschistische Initiative lässt sich dadurch nicht entmutigen und setzt sich weiter für ein Gedenken an Emil Wendland und seine offizielle Anerkennung als Todesopfer rechter Gewalt ein. 2014 führt sie erneut eine Gedenkveranstaltung durch, an der sich neben dem Bürgermeister auch andere Menschen aus der Stadtgesellschaft beteiligen. Parallel dazu gibt es eine sehr kleine von der NPD organisierte Kundgebung. Dort versuchen die Neonazis den Mord an Emil Wendland umzudeuten, indem sie ihn u.a. als „Missbrauchsopfer im Kampf gegen Rechts“ bezeichnen. Sie werden jedoch von den Teilnehmenden der Gedenkkundgebung umstellt und mit Musik beschallt, sodass sie das Verlesen ihrer Rede abbrechen müssen.[7]

In einer Welt, in der täglich Menschen gequält, verfolgt oder ermordet werden, wird es immer Menschen geben, die dagegen kämpfen. […] Kein Vergeben! Kein Vergessen! Im Gedenken an Emil Wendland und an alle Betroffenen rechter Gewalt. [8]

 


[1] MittenDrin, 07.03.2012: Erinnerungen an Emil Wendland
[2] MOZ 14.03.2012 – „Ein Gedenk-Clip”
[3] Mittendrin, 12.7.2012: Abschlussdemo und erste Bewertung
[4] Internetseite Fontanestadt Neuruppin. 29.6.2012: Enthüllung der Emil Wendland-Gedenktafel
[5] MittenDrin, 12.7.2012: Abschlussdemo und erste Bewertung
[6] MAZ, 4.7.2013: Unbekannte zerstören Gedenkkränze für Neonazi-Opfer
[7] MittenDrin, 01.07.2014: Emil-Wendland-Gedenken zum 22. Todestag
[8] Aufruf zur Demonstration am 01.06.2021

weitere infos

weiterführende Informationen

Nach 20 Jahren – Gedenken an Emil Wendland

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Gedenktafel für Emil Wendland

Die Kampagne “Niemand ist vergessen“ des Jugendwohnprojekt MittenDrin setzte sich 2012 mit dem Tod von Emil Wendland auseinander. Zum seinem 20.Todestag wurde in Neurppin einn Ort der Erinnerung geschaffen.

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