Opferperspektive Brandenburg

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Horst Hennersdorf

05. Juni 1993

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Der Obdachlose Horst Hennersdorf wird am 25. Juni 1955 geboren und lebt zur Tatzeit in Fürstenwalde/Spree. Über sein Leben ist uns leider nichts bekannt.

Die Tat

Horst „Horstel“ Hennersdorf verbringt öfters die Zeit auf dem Grundstück von Ruth und Paul S., so auch am 5. Juni 1993. Ebenfalls dort anwesend sind Pierre A., der 15jährige Maik K., Eberhard P. und Patricia Th. Gegen 14 Uhr kommt es zu einem Streit zwischen Maik K., Pierre A. und Horst Hennersdorf. Pierre A. gibt dem 37-Jährigen zu verstehen, dass er ihn nicht leiden könne und beschimpft ihn u.a. als „Schnorrer“, der sich überall „durchschlaucht“. Dann fangen die beiden Männer an, Hennersdorf zu attackieren und treten ihm sitzend ins Gesicht. Patricia Th. fordert die beiden erfolglos auf, damit aufzuhören. Sie treten mehrmals gegen Horst Hennersdorfs Kopf, so dass der Betroffene in sich zusammensinkt. Pierre A., der bereits zu DDR-Zeiten rechts ist und aus seiner Gesinnung keinen Hehl macht, drückt während des Tatgeschehens gegenüber Patricia Th. aus, dass ihm die Quälereien Spaß machen. Weil sie Angst hat, ebenfalls Opfer der Männer zu werden, verlässt sie das Grundstück. Anschließend zerren sie Horst Hennersdorf an den Füßen in den Hof und misshandeln ihn äußerst brutal weiter. Sie schlagen mit einer Stuhlstrebe auf ihn ein und prahlen vor Patricia Th., die sich mit einer Nachbarin auf dem Nachbargrundstück befindet, sie könnten ihr zeigen, wie man Beine bricht. Die Aufforderungen der anwesenden Frauen aufzuhören, ignorieren die Täter. Im weiteren Verlauf des Gewaltexzesses werfen sie eine Schranktür auf den Oberkörper des bereits wehrlos am Boden Liegenden, springen immer wieder darauf und misshandeln ihn weiter. Am Ende schütten die Täter einen Eimer über Horst Hennersdorf aus und Pierre A. uriniert auf ihn. Nach fünf Stunden stellen die Täter fest, dass ihr Opfer nicht mehr atmet. Sie verstecken ihn anfangs in einem Geräteschuppen auf dem Grundstück. Vier Tage später, am 9. Juni 1993, bringen sie den Leichnam mit einem Handwagen in den Wald und verscharren ihn dort. Am 17. Juni 1993 finden spielende Kinder die Leiche.

Das Verfahren

Die Staatsanwaltschaft erhebt 1993 Anklage wegen Mord. Im Januar 1994 verurteilt das Landgericht Frankfurt (Oder) die beiden bereits polizeibekannten Angeklagten nur wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Nach Auffassung des Gerichts kann ein Tötungsvorsatz „nicht mit der dafür erforderlichen Sicherheit festgestellt werden“. Der bereits wegen Körperverletzungen vorbestrafte Pierre A. erhält acht Jahre Haft, Maik K. eine Jugendstrafe von fünf Jahren. Strafmildernd wirkt sich bei Maik K. der starke Alkoholkonsum aus. Die Verfahren gegen die Zeugen wegen unterlassener Hilfeleistung werden eingestellt. Die Staatsanwaltschaft legt gegen das Urteil Revision ein, zieht diese jedoch später zurück. Die politische Tatmotivation der Täter und ihre rechte Einstellung wird im Urteil nicht berücksichtigt. Dabei hatten beide sich bereits in den Beschuldigtenvernehmungen herablassend und abwertend über Horst Hennersdorf geäußert. Gegenüber dem psychologischen Gutachter sagt Maik K., der Getötete habe auf ihn den Eindruck eines „niedrigen Menschen“ und „dreckigen Penners“ gemacht. Sie bezeichnen ihn als „dreckigen Assi“ und „Schnorrer“ Die verfestigte rechte Gesinnung von Pierre A. wird auch deutlich, wenn er sich über Flüchtlinge und Ausländer äußert. Er bezeichnet sie nur als „Scheinasylanten“ und sagt „Ich bin rechts, erst Deutschland, dann die anderen.“ [1] In einem 1995 von Maik K. an die zuständige Richterin geschriebenen Brief äußert dieser den Willen, aus der rechten Szene aussteigen zu wollen.

Das Gedenken

Ein Gedenken für Horst Hennersdorf gibt es in Fürstenwalde bis heute nicht.

Die Quelle

[1] Moses Mendelssohn Zentrum, Abschlussbericht des Forschungsprojektes „Überprüfung umstrittener Altfälle Todesopfer rechtsextremer und rassistischer Gewalt im Land Brandenburg seit 1990“, 2015, S. 76