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Angriffsdatum: 5. Januar 1992

INGO LUDWIG

Kerze und Blumen an Mauer

Zu Beginn des Jahres 1992 ist Ingo Ludwig 18 Jahre alt. Mehr ist uns über ihn leider nicht bekannt.

DIE TAT

Am Abend des 5. Januar 1992 geht er in die Diskothek „Wolfshöhle“ im Granseer Ortsteil Klein-Mutz. Im Laufe des Abends greift eine Gruppe aus mehr als einem Dutzend rechter Skinheads mehrere Besucher_innen dieser Diskothek an. Unter den Angegriffenen ist auch Ingo Ludwig. Mindestens einer der Täter versetzt ihm mehrere Fußtritte mit „Docs“, Schuhen mit Eisenspitzen.

Laut einer Polizeimeldung wird er dabei so schwer im Gesicht, am Hals und am Körper verletzt, dass der gerufene Arzt nur noch den Tod feststellen kann. [1]

DER UMGANG MIT DER TAT

Obwohl es viele Zeug_innen für die Tat gibt, hat sie keinerlei Konsequenzen für die Täter. Ein Tatverdächtiger aus Zehdenick wird verhaftet, aber nach drei Tage wieder entlassen. [2]

Zwei Jahre später schreibt der Brandenburger Verfassungsschutz in einer Stellungnahme – mit der er eine Anfrage der Bundestagsfraktion der Grünen beantwortet –, dass Ingo Ludwig betrunken eine Treppe hinunter gestürzt sei: „Er wurde von mehreren Jugendlichen, die der ‚rechten’ Szene zuzurechnen sind, zu einem Kraftfahrzeug gebracht. Als er die Jugendlichen beschimpfte, schlugen diese auf ihn ein. Im Krankenhaus verstarb er dann. Der Tod ist eindeutig auf Verletzungen zurückzuführen, die er sich beim Treppensturz zugezogen hatte.“ [3] Die Journalistin und Autorin Manja Präkels, die den Überfall der Skinheads persönlich miterlebt hat, kommentiert diese Bewertung des Verfassungsschutzes folgendermaßen: „Wenn man die drei flachen Stufen der Dorfkneipe vor Augen hat und die Pogromstimmung jener Jahre in den Knochen, zerfällt die Geschichte von der hilfsbereiten Horde Skins.“ [4]

Obwohl sich offensichtlich selbst der Brandenburger Verfassungsschutz mit dem Fall beschäftigt hat, kann das Moses Mendelssohn Zentrum bei seiner Untersuchung im Jahr 2015 keinerlei Akten zu dem Fall sichern und sichten. Sie sind von der zuständigen Staatsanwaltschaft fristgerecht vernichtet worden, ein Aktenzeichen ist unbekannt. [5]

DAS GEDENKEN

Ein öffentliches Gedenken an Ingo Ludwig hat bislang nicht stattgefunden.


[1] Manja Präkels, Gransee: Angst, Asylanten, Sicherheit, Jungle World v. 07.11.2013
[2] Martin Risken, Ein Todesfall und viele Fragen, in: Märkische Oderzeitung v. 28.08.2015
[3] Bundesregierung, Drucksache 12/7008, 09.03.1994, S. 3
[4] Manja Präkels, Gransee: Angst, Asylanten, Sicherheit, Jungle World v. 07.11.2013
[5] Martin Risken, Ein Todesfall und viele Fragen, in: Märkische Oderzeitung v. 28.08.2015

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