Opferperspektive Brandenburg

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Timo Kählke

12. Dezember 1991

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DIE TAT

Am 12. Dezember 1992 erschießen Mitglieder der Wehrsportgruppe „I. Werwolf-Jagdeinheit Senftenberg“ in Meuro bei Cottbus den 27-jährigen Senftenberger Timo Kählke. Die Neonazis brauchen ein Fluchtfahrzeug für ihren geplanten Überfall auf das Spielcasino „Las Vegas“ in Welzow. Von dem erbeuteten Geld sollen bereits erhaltene Waffen bezahlt werden. [1] Mit Maschinenpistole und Gewehren bewaffnet, täuschen sie auf der Landstraße eine Autopanne vor. Als Timo Kählke anhält, um zu helfen, fordert ihn der 18-jährige Daniel L. auf, das Fahrzeug zu verlassen. „Auto her, oder ich leg dich um“, ruft er. Kählke weigert sich auszusteigen. Daraufhin schießt L. ihm in den Kopf. Um mit dem Auto losfahren zu können, schieben die Täter den Schwerverletzten auf den Beifahrersitz. Als Timo Kählke stöhnt, schießt Daniel L. noch einmal auf ihn. Dann fahren sie mit dem erbeuteten Auto los - Daniel L. am Steuer, Jens-Werner K., Anführer der „Werwölfe“, auf der Rückbank. Als die Täter feststellen, dass der 27-jährige Familienvater noch lebt, schießt K. ein drittes Mal, diesmal durch den Vordersitz auf ihn. [2] Anschließend verbrennen sie den Leichnam und den PKW in einem Waldstück. [3]

DAS VERFAHREN

Der Prozess beginnt am 10. Januar 1994 vor dem Landgericht Cottbus. Die vier Angeklagten sind zwischen 20 und 29 Jahren alt. Ihnen wird Mord und illegaler Waffenbesitz vorgeworfen. Bei einer Razzia im Oktober 1992 werden bei dem Anführer der „Werwölfe“ Jens-Werner K. einhundertfünfzig Handgranaten, Maschinenpistolen, Feldausrüstung – meist aus sowjetischer Herkunft – und neonazistisches Propagandamaterial gefunden. [4] Das Landgericht Cottbus verurteilt die Täter wegen gemeinschaftlichen Mordes. Der Haupttäter Daniel L. erhält eine neunjährige Jugendstrafe, die drei Mittäter Freiheitsstrafen zwischen drei und fünfzehn Jahren. Die Wehrsportgruppe „I. Werwolf-Jagdeinheit Senftenberg“ versteht sich als Elitegruppe und ist nach Einschätzung des Cottbuser Oberstaatsanwaltes Hans-Ulrich Pollender „die gefährlichste rechtsextremistische Gruppierung in Ostdeutschland“. [5] Sie führen Wehrsportübungen mit Maschinenpistolen durch und bauen Sprengsätze. Ihr Ziel ist der bewaffnete Umsturz in der Bundesrepublik. Der Bundesgerichtshof stuft die Gruppe nicht als kriminelle Vereinigung ein - mit der verharmlosenden Begründung, die Mitglieder hätten keinen eigenen Willen, sondern hingen von einer Führungspersönlichkeit ab. Außerdem zeigten einige lediglich „ein geradezu jungentümliches Interesse am Hantieren mit selbstgebastelten Sprengkörpern.“ [6]

Das Gedenken

Ein öffentliches Gedenken hat bisher nicht stattgefunden.

Die Quellen

[1] taz, Nr. 4210, 11.1.1994: „Auto her, oder ich leg dich um!“
[2] taz, Nr. 4214, 15.01.1994: Mordprozess gegen „Werwölfe“: „Dann hab ich geschossen“
[3] Brandenburger Verfassungsschutzbericht 1993, S. 27
[4] taz, Nr. 4214, 15.01.1994: Mordprozess gegen „Werwölfe“: „Dann hab ich geschossen“
[5] Der Spiegel Nr. 1/93, 04.01.1993: Starkes Gehabe
[6] Ebd.